„Dick zu sein, heißt nicht, gut ernährt zu sein.“

Diese Erkenntnis des brasilianischen Sozialministeriums unter dem damaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva aus dem Jahr 2004 hat nicht wirklich zu Änderungen nach zehn Jahren geführt. Nach wie vor gehört Brasilien zu den Staaten mit den meisten Übergewichtigen in der Welt. Nach den USA werden in Brasilien die meisten Operationen zur Magenverkleinerung durchgeführt, eine in meinen Augen denkwürdige, wenn nicht abartige Entwicklung.

Aber die Deutschen können es sich sparen, hier mahnend den Finger zu heben, denn auch bei uns ist Übergewicht ein gewaltiges Thema: Fast zwei von drei Deutschen wiegen zu viel. Diabetes, Bluthochdruck und andere Folgeerkrankungen des Dickseins sind auch bei uns hoch im Kurs.

Sicherlich können wir uns glücklich schätzen, dass wir in Europa von Mangelzeiten im Großen und Ganzen seit vielen Jahrzehnten verschont sind. Aber ist das der Grund, warum die meisten Menschen zu dick sind? Um diese Frage näher zu beleuchten, ist Brasilien ein gutes Beispiel, gerade jetzt, da sich die Blicke – des Fußballs wegen – derzeit sowieso dorthin wenden.

Vor zehn Jahren galt es noch, den Hunger in Brasilien zu bekämpfen. Brasilien ist ein wirtschaftlich aufstrebendes Land – zumindest im langfristigen Trend. Es sollte also wirtschaftlich möglich sein, das Land vom Hunger zu befreien, wenn man nur wollte. Auch schon zu Zeiten der Unterernährung gab es extrem Übergewichtige in Brasilien. Das ist nach wie vor so.

Die Preise für Lebensmittel sind in Brasilien ziemlich gestiegen, und steigen nach wie vor (die Inflationsrate lag in den letzten Jahren zeitweise über 10 %.). Dennoch sind die Preise für Gemüse und Obst in Brasilien noch deutlich niedriger als in Deutschland, der Preis eines Big Macs aber gegenüber Deutschland (Big-Mac-Index 2010, Forbes) um ca. 13 % teurer.

Dennoch schreibt bereits Klaus Hart im Jahr 2004: „Minderwertiges, billiges Fastfood ist auch dank massiver Werbung populär wie nie zuvor.“ Salzgebäck und Cola-Light als häufige Nahrungsquellen sind hier wie da „in“. Ich behaupte, sie sind „in“, weil sie fertig sind, nicht gekocht und zubereitet werden müssen. Warum kann denn keiner mehr kochen? Zumindest in Deutschland gibt es im Fernsehen so viele Kochsendungen wie nie zuvor.

Wir sind faul und bequem geworden, nicht zuletzt, weil die Werbung und das Fernsehen uns das eintrichtert. Mir klingen noch die Worte eines GmbH-Geschäftsführers eines großen Getränke-Distributors aus Essen im Jahre 1993 im Ohr: Unsere Cola kennt jetzt jeder, „jetzt müssen wir erreichen, dass die Leute [sie] zum Frühstück trinken“.

Ob das wirklich besser wird, wenn das zur Zeit diskutierte Freihandelsabkommen unterzeichnet ist?

Wann bewegen Sie sich mehr?   Wann achten Sie mehr auf Ihre Lebensmittelauswahl?

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